:: M-Commerce
Ziele und Kurzbeschreibung des Projekts
Bisher werden kaum M-Commerce-Transaktionen von mobilen Endgeräten (Mobiltelefonen, Personal Digital Assistant im WLAN) aus getätigt. Am Beispiel von Mobiltelefonen mit Internetzugang zeigen sich in empirischen Untersuchungen die Barrieren: Obwohl die Ausstattung mit solchen Telefonen bereits bemerkenswert ist (41 % Welt, 45 % Europa, Basis: Handybesitz), wird der mobile Internetzugang wenig genutzt (Welt 27 %, Europa 18 %, Deutschland 14 %), und wenn, dann überwiegend für e-mail. Mobil gekauft wird beispielsweise kaum (Welt 3 %, Europa 1 %).
Zugleich sind sich die Analysen darüber einig, dass Mobile Commerce ein immenses Potenzial für die Zukunft der Wirtschaft hat. Eine jüngere IDC-Studie geht von ca. 500 Mio. Dollar Umsatz mit M-Commerce-Diensten in 2002 aus, für das Jahr 2005 werden bereits 27 Mrd. Dollar erwartet. Andere Quellen sagen alleine für neue ortsbezogene Dienste (location-based services) auf mobilen Endgeräten für Europa einen Umsatz von 32 Mrd. Dollar bereits in 2005 voraus.
Im Vergleich zur stationären Informations- und Kommunikationstechnologien liegt ein wesentlicher Vorteil mobiler Endgeräte darin, dass die aktuell angebotenen Daten und Dienste automatisch an den Standort des Geräts angepasst werden können und dadurch völlig neuartige Anwendungen möglich werden. Dieser Aspekt ist bisher noch nicht ausreichend untersucht worden. Die Entwicklung von neuen Technologien und Anwendungen für M-Commerce-Transaktionen bleibt zurzeit noch deutlich hinter den hoch gesteckten Erwartungen zurück. Dies hat sowohl technische als auch wirtschaftliche Gründe:
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Auf der technischen Ebene kann davon ausgegangen werden, dass Mobiltelefon und Personal Digital Assistant (PDA) technisch konvergieren. Man wird nur noch ein mobiles Gerät mit sich führen, das die meiste Zeit online ist. Dies wird das typische Endgerät für viele M-Business-Anwendungen sein. Ortsbezogene Dienste für ein solches Endgerät sind aber noch kaum entwickelt; es gibt noch keine einheitlichen Systeme zum genauen Ermitteln der geographischen Koordinaten des aktuellen Standorts und vor allem auch keine Verfahren zum Ableiten von semantischen Informationen über den aktuellen Ort aus diesen Koordinaten. Es ist eine offene Frage, wie auf dem Endgerät verfügbare Software ortsabhängig dynamisch rekonfiguriert werden kann, um nicht nur den Datenbestand, sondern auch die Verarbeitungsfunktionalität an den Ort anzupassen. Neue kryptologische Verfahren zur Sicherung der Datenkommunikation über das Funknetz gegen unbefugte Eindringlinge und zur Sicherstellung der Privatsphäre sind von allergrößter Bedeutung für die Akzeptanz einer solchen neuen Technik; sowohl im GSM-System als auch im Wireless LAN nach 802.11 gibt es bekanntlich erhebliche Sicherheitslücken, die den Einsatz in vielen Anwendungsbereichen verhindern. Dies sind nur einige Beispiele für aktuelle technische Herausforderungen; die Liste ließe sich beliebig verlängern. Insgesamt lässt sich daraus folgern, dass ein erheblicher Forschungsbedarf besteht.
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Auf der wirtschaftlichen Ebene gilt es vor allem, die Anforderungen an ortsbezogene Dienste und an die Funktionalität der Endgeräte im Markt sorgfältig zu ermitteln, neuartige Beispielanwendungen dafür zu entwickeln und praktisch zu erproben und deren Akzeptanz im Markt durch gezielte Studien zu untersuchen. Bei der Ersteigerung der Lizenzen für UMTS in Deutschland sind die Dienstanbieter davon ausgegangen, dass es ein erhebliches Marktpotenzial für datenorientierte Anwendungen über IP gibt, doch hat sich bis heute keine wirklich neuartige „killer application“ heraus gebildet. Es ist außerdem bis heute nicht klar, welche Hindernisse einer schnelleren Verbreitung von M-Commerce im Wege stehen: „Much of the existing literature dwells on the description of technological leaps and the economic implications, largely ignoring the fact that without widespread acceptance of mobile devices among individual consumers, the promise of mobility cannot be realized."
Neuartige Anwendungen dieser Art stellen eine große softwaretechnische Herausforderung dar. Es muss ein Softwaresystem entwickelt werden, das in der Lage ist, die dynamisch angeforderten ortsbezogenen Dienste mit einem hohen Grad an Sicherheit, Zuverlässigkeit und Performance für den Benutzer bereit zu stellen. Heutige Unternehmenssoftware hat eine statische Struktur und unterstützt ad-hoc-Rekonfigurationen in Endgeräten nicht. Eine neue Software-Architektur nach dem SOA-Konzept (Service-Oriented Architecture) ist dazu grundsätzlich besser in der Lage. Doch auch in der SOA ist bis heute die Idee einer dynamischen Rekonfiguration der Endgeräte durch Nachladen von Software noch nicht verankert. Hierzu soll dieses Projekt einen wichtigen Beitrag leisten.
Die Machbarkeit und Praxistauglichkeit der neuen technischen Konzepte soll durch Entwicklung einer überschaubaren und generischen Beispielanwendung gezeigt werden.
Positionsontologien
Auf der IT-Seite ist eine dienstorientierte Softwarearchitektur (Service-Oriented Architecture, SOA) die einzige heute bekannte Technologie, die es erlaubt, Geschäftsprozesse global zu integrieren bzw. globale Geschäftsprozesse zu unterstützen. Durch zahlreiche Standardisierungsbemühungen von Anwender- und Herstellerkonsortien hat diese Technologie darüber hinaus ein herausragendes Moment erreicht. Mit Hilfe einer dienstorientierten Architektur lassen sich verschiedene Anwendungen technisch miteinander verknüpfen.
Aber diese syntaktische Integration reicht nicht aus, wenn nicht die Bedeutung der ausgetauschten Nachrichten und Daten, die der Geschäftsprozessunterstützung dienen, von allen beteiligten Systemen semantisch verstanden werden. Zur semantischen Integration bieten sich, ebenfalls alternativlos, Ontologien an. Die zentrale Fragestellung des Teilprojekts ist es, wie Ontologien gewinnbringend in dienstorientierte Architekturen eingebracht werden können, um das zentrale Problem der semantischen Integration zu lösen. Da eine umfassende Antwort auf diese Frage den Rahmen des Teilprojekts sprengen würde, wird zunächst ein Ausschnitt betrachtet.
Projektwebseite
Link zur ProjektwebseitePartner
Prof. Dr. Colin Atkinson ( Sprecher) - Lehrstuhl für SoftwaretechnikProf. Dr. Hans H. Bauer - Lehrstuhl für Allgemeine BWL und Marketing II
Prof. Dr. Wolfgang Effelsberg - Lehrstuhl für Praktische Informatik IV
Prof. Dr. Armin Heinzl - Lehrstuhl für Allgemeine BWL und Wirtschaftsinformatik
Prof. Dr. Matthias Krause, Dr. Stefan Lucks - Lehrstuhl für Theoretische Informatik
Prof. Dr. Dr. Martin Schader, Dr. Markus Aleksy - Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik III